Band I · wird fortgeschrieben
Kriminalgeschichte des Christdemokratentums.
Nach dem Vorbild von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des
Christentums“, zehn Bände, fünf Jahrzehnte Arbeit, beginnen wir
hier ein bescheideneres Register. Wir dokumentieren, was der Mann mit
dem C im Parteinamen öffentlich tut, und halten es gegen zwei Maßstäbe:
die christlichen Werte, auf die sich seine Partei beruft, und die
„Zehn Angebote des evolutionären Humanismus“ (Michael Schmidt-Salomon,
Giordano-Bruno-Stiftung), Leitlinien, die ganz ohne Gott auskommen und
trotzdem, oder deshalb, menschlicher sind. Die Fakten sind belegt.
Die Wertungen sind unsere Meinung. Beides ist erlaubt.
Neueste Akte steht oben.
Akte 26/09 Das Desaster und die Durchhalteparolen.
Am 20. September 2026 trat Bundeskanzler Friedrich Merz bereits um 18.14 Uhr, rund eine Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, im Helmut-Kohl-Saal der CDU-Zentrale vor die Kameras, noch bevor endgültige Ergebnisse vorlagen. In Mecklenburg-Vorpommern hatte die CDU nach Darstellung von t-online „das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in der Nachkriegszeit“ eingefahren; ein erstmaliges Ausscheiden aus dem Landesparlament war möglich. In Berlin war die Partei „deutlich hinter die Linken abgefallen“ (Bild-Zeitung). Merz, der sein Statement nach Angaben von focusplus.de diesmal nicht vom Papier, sondern vom Teleprompter ablas, sagte: „Es ist ein Desaster. Die CDU hat gekämpft. Aber am Ende ist die CDU zerrieben worden.“ Das Resultat könne man „nicht schönreden“ (euronews). Konsequenzen für die eigene Person zog er nicht: Er sei „fest davon überzeugt, dass der Erfolg unserer Reformen nicht nur unser Zusammenleben verbessert, sondern auch unser Selbstbild und unser Bild in der Welt. Deutschland ist reformfähig.“ Nötig seien nun „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, „Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“ (Zitate: n-tv). Nach Darstellung der Bild-Zeitung erklärte er sich bereit, Verantwortung zu übernehmen, „Nicht für die Wahl-Klatschen an diesem Abend“, sondern „Für die Zukunft. Als Reform-Kanzler.“ Seine Diagnose des Wahljahrs: „Die Menschen verlören das Vertrauen in die Institutionen“ (Bild-Zeitung). DerWesten.de titelte daraufhin: „Nichts als Durchhalteparolen“; n-tv stellte fest, Merz ziehe „keinerlei Konsequenzen“ aus den Ergebnissen. In der eigenen Partei löste die Ansprache „Kopfschütteln und Wut“ aus (nau.ch); laut Süddeutscher Zeitung hatte Merz die CDU-Ministerpräsidenten zuvor „quasi zwangsversammelt“ im Konrad-Adenauer-Haus.
Das C verspricht
„Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“
Matthäus 23,12 (Lutherbibel). Die Stelle verortet Selbsterhöhung nicht unter den Führungstugenden.
Der Humanismus bietet an
„Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.“ (Nr. 6)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote (Kurzfassung), gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Wer den schwindenden Rückhalt für die Institutionen beklagt und sich selbst nicht zu ihnen rechnet, macht die Diagnose zum Alibi. Verantwortung ausschließlich „für die Zukunft“ anzubieten, halten wir für die billigste Form der Verantwortungslosigkeit: Sie kostet nichts und verweist die Schuld auf früher. Dass der Auftritt selbst in der eigenen Partei Wut auslöste, deuten wir als Beleg dafür, dass die Durchhalteparolen vor allem für einen gesprochen waren: für den Durchhaltenden.
Akte 26/08 Die Ärztin und die Drohdiagnose.
27. August 2026, RTL. Der Fall ist oben in der
Sprechstunde vollständig dokumentiert: die Frage der
Kinderärztin, die gekränkte Antwort, der „Nutznießer“-Satz, und nach
der Sendung, nach ihrer bezeugten Darstellung, die Ansage des mächtigsten
Mannes im Staat an eine Bürgerin, ihre Kritik sei „straffällig“ gewesen.
Dazu Lachen und „Ganz sicher nicht“. Drei Tage später erklärt die
Familienministerin, es brauche mehr Sachlichkeit, gemeint war die
Ärztin, nicht der Kanzler.
Das C verspricht
„Selig sind die Sanftmütigen.“
Matthäus 5,5, Bergpredigt. Auslachen kommt darin nicht vor.
Der Humanismus bietet an
„Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen!“ (Nr. 3), Die Ärztin hat geliefert.
„Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich … als ‚unfehlbar‘
darstellen müssen.“ (Nr. 6, Originalfassung)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote, gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Eine Bürgerin
unter vier Augen mit dem Strafrecht zu bedrohen und sie dann auszulachen
ist keine Stilfrage. Es ist, wir bleiben bei unserer Diagnose, inhuman. Und das Lachen macht es grausam.
Akte 26/07 Stolz und Vorurteil.
1. Juli 2026, deutsches WM-Aus. Der Kanzler lässt
posten: „Wir sind stolz auf euch.“ Das Netz antwortet mit
Spott, der Spiegel widmet dem „verunglückten Tweet“ eine eigene
Chronologie und führt eine Liste der „rhetorischen Schnitzer des
Friedrich Merz“. Kein Drama, nur ein Muster: erst senden, dann denken,
nie einordnen.
Das C verspricht
Demut, eine der christlichen Kardinaltugenden.
Quellenlage: umfangreich, Anwendung: ausstehend.
Der Humanismus bietet an
„Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! … Sei dabei aber jederzeit
offen für bessere Argumente.“ (Nr. 7)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote (Kurzfassung), gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Verzeihlich, als Einzelfall. Als Regierungsstil: ermüdend.
Akte 26/04 Die Kranke und die Karte.
Bürgerdialog Salzwedel, Ende April 2026. Silvia Dronsch,
53, Hautkrebs im vierten Stadium, schildert ihre Angst vor Kürzungen bei
der Krebsvorsorge und fragt, warum beim Volk gespart werde, während für
die Spitzen des Staates Gehaltserhöhungen im Raum standen. Antwort des
Kanzlers, vor 250 Zuschauern: „Zu keinem Zeitpunkt ist von
irgendjemandem erwogen worden, die Bezüge der Mitglieder der
Bundesregierung anzuheben … ich wäre Ihnen einfach dankbar, wenn Sie das
nicht einfach ungeprüft wiederholen.“ Geprüft hat offenbar er
nicht: Ein Gesetzentwurf aus dem Innenministerium sah zu diesem
Zeitpunkt tatsächlich eine Anhebung der Spitzenbeamten-Gehälter um rund
40.000 Euro vor, gestoppt erst nach öffentlicher Empörung. Die
erbetene Entschuldigung kam nie. Stattdessen erhielt die todkranke Frau
im Juni: eine Autogrammkarte mit Widmung („alles Gute“) und die Wünsche
„Kraft“ und „Zuversicht“, vom Mitarbeiter. Ob sie um die Karte gebeten
hat, bestreitet sie; das Kanzleramt behauptet es.
Das C verspricht
„Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht.“
Matthäus 25,36, Maßstab des Weltgerichts, keine Autogrammstunde.
Der Humanismus bietet an
„Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!“ (Nr. 2) ·
„Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen
Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!“ (Nr. 8)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote des evolutionären Humanismus (Kurzfassung), gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Eine sterbenskranke
Bürgerin öffentlich abzukanzeln, ihr Faktum als „falsche Behauptung“
abzutun und ihr statt einer Entschuldigung ein Autogramm zu schicken,
ist nach unserer festen Überzeugung inhuman und grausam. Beide Maßstäbe, das C und die Angebote, hätten es besser gewusst.
Akte 26/03 Das Plakat und der Staatsapparat.
Gießen, Mitte März 2026. Eine 21-Jährige hält bei einer
Demo ein Pappschild hoch: „MRZ LCK 00“. Die Polizei
leitet Ermittlungen wegen politischer Beleidigung des Bundeskanzlers ein
(§ 188 StGB, Sonderparagraf mit verschärfter Strafe, gilt seit 2021).
Monatelang läuft ein Verfahren gegen eine Studentin, wegen dreier
Buchstabenpaare. Am 21. August 2026 stellt die Staatsanwaltschaft
ein: „Besagtes Verhalten erfüllt keinen Straftatbestand, da die Kundgabe
vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt war.“ Ihr Verteidiger merkt
an, dass die Ermittlungen nie hätten beginnen dürfen, belastend und
teuer waren sie trotzdem.
Das C verspricht
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“
Matthäus 7,1. Über das Vergeben von Schuld existiert ebenfalls Literatur.
Der Humanismus bietet an
„Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein
Geschenk, das du nicht abweisen solltest.“ (Nr. 6)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote (Kurzfassung), gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Wenn der Apparat
einer Demokratie gegen ein Pappschild ermittelt, ist nicht das Pappschild
das Problem. Das Ergebnis steht oben auf dieser Seite, amtlich.
Akte lfd. Der Anzeigenhauptmeister.
Laufender Vorgang: Wegen Online-Beleidigungen des
Kanzlers wurden fortlaufend nummerierte Strafanzeigen gestellt, die Zählung hat die Nummer 4.999 überschritten (siehe
Kennzahlen oben). Gegen das Gießener Plakat lief das Verfahren übrigens
von Amts wegen; einen Strafantrag stellte er dort nicht. Musste er auch
nicht, der Apparat läuft ja.
Das C verspricht
„Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen.“
Matthäus 5,44. Von Nummerierung steht da nichts.
Der Humanismus bietet an
„Befreie dich von der Unart des Moralisierens!“ (Nr. 5) ·
„Immunisiere dich nicht gegen Kritik!“ (Nr. 6)
Schmidt-Salomon, Zehn Angebote (Kurzfassung), gbs.
Befund der Redaktion (Meinung): Wer die eigene
Bevölkerung im fünfstelligen Bereich verklagt und Kritikerinnen von
Angesicht zu Angesicht mit dem Strafrecht droht, hat das C im Namen
seiner Partei nach unserer Überzeugung nicht verdient, und die zehn
Angebote leider nicht gelesen. Beides wäre zu haben. Eines davon gratis.
Dieses Register wird fortgeführt, sobald das Original
liefert. Fakten und wörtliche Zitate nach zeitgenössischen Presseberichten
(u. a. Spiegel, Zeit, Kreiszeitung, Gießener Allgemeine, 2026). Die „Zehn Angebote des evolutionären Humanismus“
stammen aus: Michael Schmidt-Salomon, Manifest des evolutionären
Humanismus, Alibri 2005/2006, zitiert nach
giordano-bruno-stiftung.de;
Zitate gekürzt. Karlheinz Deschners Werk sei ausdrücklich zur Lektüre
empfohlen, zehn Bände Vorsprung. Alle Wertungen dieser Seite sind
Meinungsäußerungen im Sinne von Art. 5 GG.